Demenz
Als Demenz (vom lateinischen Dementia „ohne Geist“) wird ein Defizit in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten bezeichnet, das zu einer Beeinträchtigung der sozialen und beruflichen Funktionen der Betroffenen führt. Es handelt sich um eine erworbene Erkrankung des Gehirns, die zu einer Störung des Gedächtnisses und mindestens einer weiteren geistigen Leistung führt (zum Beispiel eine Beeinträchtigung der Sprache, des Denk- und Urteilsvermögens oder von räumlichen Leistungen). Neben der kognitiven Störung kommt es meist auch zu einer Veränderung der Persönlichkeit und des Verhaltens. Die Störung muss seit mindestens sechs Monaten bestehen und nicht nur im Rahmen eines Delirs bestehen (Definition nach ICD-10).
Es gibt unterschiedliche Ursachen für das Auftreten einer Demenz. Der Häufigkeit nach an erster Stelle stehen die neurodegenerativen Prozesse, bei denen bestimmte Nervenzellgruppen zugrunde gehen. Die häufigste ist die Alzheimer’sche Erkrankung (? 50%) gefolgt von der Parkinson-/Lewy-Körper-Demenz (ca. 10-20%) und den sogenannten frontotemporalen Degenerationen (ca. 5-10%).
Am zweithäufigsten sind cerebrovaskuläre Erkrankungen (ca. 20%). Ein Vergleich dazu sind infektiöse Ursachen wie Prionenkrankheiten oder HIV eher selten.
Hauptrisikofaktor für die Entwicklung einer Demenz ist ein hohes Lebensalter. Dass Frauen häufiger von einer Demenz betroffen sind, liegt wahrscheinlich vor allem in der um einige Jahre höheren Lebenserwartung begründet. Auch das Vorliegen von Depressionen wird als Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz angesehen. Weitere Risikofaktoren sind kardiovaskuläre Faktoren wie Bluthochdruck, ein hoher Homocystein-Spiegel, Übergewicht und Diabetes mellitus.
In Deutschland leiden aktuell mehr als eine Million Menschen unter einer Demenzerkrankung und jedes Jahr werden etwa 200.000 neue Demenzerkrankungen diagnostiziert. Durch die demografische Entwicklung in Deutschland (sowie in anderen westlichen Industrienationen) mit einer immer älter werdenden Bevölkerung wird eine deutliche Zunahme der Demenzerkrankungen in den kommenden Jahrzehnten vorhergesagt; Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Zahl der Betroffenen alle 20 Jahre nahezu verdoppeln wird. Für Deutschland wird eine Zahl von 2 Millionen Demenzkranken im Jahr 2030 prognostiziert.
Für eine vertiefte Analyse der weltweiten Auswirkungen von u.a. neurodegenerativen und dementiellen Erkrankungen empfehlen wir den Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO „Global Burden of Disease“ (update 2008), der hier
kostenlos heruntergeladen werden kann, sowie den WorldAlzheimerReport der Alzheimer’s Disease International (ADI), der in versch. Sprachen hier
kostenlos heruntergeladen werden kann.
