RePrOF (Rehabilitation nach proximaler Femurfraktur)

Hüftgelenksnahe Frakturen sind Frakturen des höheren Alters, deren Inzidenz in Deutschland derzeit mit etwa 100/100.000 pro Jahr (Lögters et al. 2008) angegeben wird. Bedingt durch den demographischen Wandel ist mit einem Anstieg der Inzidenz von jährlich etwa 1-3% auszugehen (Halbert et al. 2007). Die Mortalitätsrate innerhalb des ersten Jahres nach hüftgelenksnahen Frakturen liegt zwischen 12,7 (Lauren et al. 2007) und 30% (Jensen et al. 1979).

Für viele Patienten stellt die Fraktur einen Einschnitt in ihr Leben dar. Es konnte gezeigt werden, dass 32,6% nichtinstitutionalisierter Patienten 6 Monate nach der Fraktur institutionalisiert werden mussten (Becker et al. 2003).

Aufgrund der soziökonomischen Relevanz, die bedingt durch den demographischen Wandel stark ansteigen wird (Frerichmann et al. 2007), gewinnen Prävention, Behandlung und Rehabilitation zunehmend an Bedeutung. Der Anteil der Patienten, die einer geriatrischen Weiterbehandlung oder einer Rehabilitation zugeführt werden, steigt stetig an und wird von der deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie, Leitlinie Schenkelhalsfraktur) empfohlen. Während jedoch die Prävention und Akutbehandlung von Patienten mit proximalen Femurfrakturen weitgehend erforscht sind, ist die Rolle der geriatrischen Weiterbehandlung bzw. der Rehabilitation nicht abschließend untersucht. Insbesondere ist unklar, ob und wie sich die Lebenssituation der Betroffenen in den ersten 6 Monaten nach dem Unfall und darüber hinaus entwickelt. Zudem ist nicht geklärt, wie sich ein komplizierter Verlauf auf der Intensivstation, auf die viele der Patienten nach der Operation verlegt werden müssen, langfristig auswirkt.

Die Behandlung in der Akutklinik kostet etwa 6.000-7.000€ (Frerichmann et al. 2007), die Kosten für die stationäre Weiterbehandlung werden auf etwa 3000-5000€ geschätzt. Es besteht derzeit kein Konsens über die Frage welcher Patient, zu welchem Zeitpunkt, welcher Art von Weiterbehandlung zugeführt werden soll. Zwar gibt es Zeichen, dass besonders die Patienten, die vor dem Unfall zu Hause lebten, von der Rehabilitation profitieren (Lögters et al. 2008), eine ökonomische Bilanz kann jedoch zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund von Literaturdaten nicht erstellt werden. Angesichts steigender Kosten und begrenzter Ressourcen im Gesundheitswesen ist eine ökonomische Betrachtung notwendig, die auch die Folgekosten, wie eine Institutionalisierung oder Änderung der Pflegestufen einschließt. In dieser Studie soll die Versorgungsrealität und die Langzeitverläufe von Patienten mit proximaler Femurfraktur an einer Universitätsklinik (Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Marburg und Gießen GmBh, Standort Marburg) und zwei Kliniken für geriatrische Weiterbehandlung (Hessische Bergland-Klinik, Koller GmBH Bad Endbach; Diakonie-Krankenhaus Wehrda) prospektiv erfasst werden.