Versorgungsforschung
Eine ökonomische Bewertung von Erkrankungen ist angesichts kontinuierlich steigender Kosten und begrenzter Ressourcen im Gesundheitswesen notwendig. Die ökonomische Belastung setzt sich aus medizinischen und nicht-medizinischen Kosten zusammen, wobei insbesondere die nicht-medizinischen Kosten erhebliche Ausgaben für das Gesundheits- und Sozialwesen in Deutschland bedingen. Die Studienlage zur Evaluierung ökonomischer Auswirkungen von neurologischen Erkrankungen ist derzeit, trotz der erheblichen gesundheitspolitischen Relevanz, ungenügend.
Die Versorgungsforschung untersucht, wie gut die Patienten durch die Akteure im Gesundheitswesen versorgt werden. Ein wichtiger Ziel ist dabei, Unter-, Über oder Fehlversorgung der Patienten aufzudecken.
Die Gesundheitsökonomie untersucht dann, ob die Mittel, die für die Versorgung zur Verfügung stehen auch möglichst effizient und sinnvoll eingesetzt und verteilt werden.
Gesundheitsökonomische Analysen werden in vergleichenden und nicht vergleichenden Studien durchgeführt (Abbildung 2). Dabei fragt die Kostenstudie erst einmal wie teuer eine Krankheit oder eine Therapie ist, ohne zu vergleichen. Ziel der Kosten-Kosten-Analyse ist die Gegenüberstellung der Kosten verschiedener Therapien. Sind zwei Therapien etwa zur Behandlung der Epilepsie in ihrer Effektivität gleich, so kann man mit einem solchen Vergleich die kostengünstigere Alternative bestimmen. Kosten-Effektivitätsstudien hingegen vergleichen nicht nur die Kosten, sondern auch die Effektivität alternativer Therapieoptionen. Eine besondere Form der Kosten-Effektivitätsanalysen sind Kostennutzwert - Analysen. Da es einerseits schwierig ist, den Nutzen (wie Schmerzfreiheit o.ä.) in Geldwerten anzugeben, andererseits aber klinische Parameter oft den tatsächlichen Nutzen nur unzureichend darstellen können, sind Verfahren entwickelt worden, um die subjektiven Veränderungen, die eine Krankheit, z.B. in der Lebensqualität hervorruft, als so genannten Nutzwert auszudrücken.
Methoden
Versorgungsforschung und Kostenbewertung
Mit Hilfe von Patientenbefragungen werden die spezifischen Versorgungsmuster neurologischer Erkrankungen erfasst und mit klinischen Parametern, die in ärztlichen Untersuchen erhoben werden, in Zusammenhang gebracht. Mit den Methoden betriebswirtschaftlicher Kostenrechnung werden den in der Patientenversorgung verbrauchten Ressourcen (bestmöglich genäherte) Opportunitätskosten zugewiesen.
Outcomes – Research
Gesundheitsökonomische Analysen dürfen sich nicht allein auf die Kosten von Interventionen beschränken, sondern müssen den Kosten den erzielten Nutzen gegenüberstellen. Hierbei spielen – insbesondere auch durch die Vorgaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG; www.iqwig.de) – patienten-relevante Ergebnisparameter eine entscheidende Rolle. Als Standardmethode wird daher in unseren Studie die gesundheitsbezogenen Lebensqualität erhoben.
Kosten-Nutzen-Bewertung und Modellierung
Für Kosten-Nutzen-Bewertungen muss den verbrauchen Ressourcen der dadurch erzielte Nutzen gegenübergestellt werden und die so erhaltene Kosten-Nutzen-Relation von alternativen Interventionsoptionen verglichen werden. Oft sind aber die hierfür notwendigen Daten nicht ausreichend, oder sie spiegeln nicht den Zeitraum wider, der für eine umfassende Kosten-Nutzen-Bewertung benötigt wird. Es daher oft notwendig mathematische Modellierungen zu verwenden, die mögliche Kosten-Nutzen-Szenarien simulieren können. Hiermit können dann entscheidungs¬relevante Parameter so variiert werden, dass die Folgen einer Entscheidung auch bei sich ändernden Bedingungen auf ihre Robustheit überprüft werden können. Entscheidungsbäume, Markov-Modelle und Discrete-Event-Simulationen haben sich hierfür als besonders geeignet erwiesen.
Software
SAS, STATA, SPSS, TreeAge
Ziel
Das Forschungsziel ist der gesundheitsökonomische Untersuchung aller wichtigen neurologischen Erkrankungen. Hierzu sollen zunächst Versorgungsstrukturen und Versorgungsmuster erfasst werden. Danach folgt die Darstellung dieser Versorgungsleitungen als Kosten, sowie die Erhebung patientenrelevanter Ergebnisparametern (z.B. der gesundheitsbezogenen Lebensqualität). In der Synthese ergibt sich schließlich die Kosten-Nutzen-Bewertung von Therapien und Interventionen, die den Akteuren des Gesundheitssystems als Information für rationale Entscheidungsfindungen zur Verfügung stehen.
