ToM

Theory of Mind (ToM) bezeichnet die Fähigkeit, mentale Zustände wie z.B. Wünsche, Intentionen, Annahmen anderer Personen zu erfassen. ToM gilt als zentraler Aspekt sozialer Kognition, denn diese Fähigkeit stellt eine wesentliche Grundlage sozialer Interaktion dar. So ermöglicht sie uns z.B., das Verhalten unseres Gegenübers in der Interaktion zu erklären und vorherzusagen. Ebenso kann die Fähigkeit, Emotionen anderer Menschen nachzuempfinden, zur Vertiefung sozialer Beziehungen beitragen.

Der ToM Fähigkeit liegt ein komplexes auch auf neuraler Ebene beschreibbares neuroanatomisches Netzwerk zugrunde, welches Strukturen des präfrontalen Kortex (besonders des ventromedialen-orbitofrontalen Kortex) sowie des temporalen Kortex (Sulcus temporalis superior, Temporalpol, temporoparietaler Übergang sowie Amygdala) umfasst. Subcortikale Strukturen, wie z.B. die Basalganglien, scheinen ebenfalls an der Modulation der ToM Fähigkeiten beteiligt zu sein.

ToM bezeichnet ein komplexes neuropsychologisches Konzept, welches verschiedene Teilleistungen umfasst. ToM lässt sich z.B. weiter hinsichtlich affektiver sowie kognitiver ToM Teilleistungen differenzieren. Während kognitive ToM Leistungen das eher rationale Erschließen des mentalen Zustands des Gegenübers beschreiben, wird das emotionale Nachempfinden der Emotionen des Gegenübers auch als affektive ToM Leistung bezeichnet.

ToM Dysfunktionen können im Rahmen unterschiedlichster neurologischer sowie psychiatrischer Erkrankungen (z.B. Epilepsie, Schizophrenie oder Autismus) auftreten, die affektiven und kognitiven ToM Teilleistungen können selektiv Beeinträchtigung erfahren. Wir untersuchen verschiedene Aspekte der ToM Fähigkeiten bei Patienten mit Basalganglien Erkrankungen, wie z.B. der Parkinson Erkrankung. Patienten mit Restless Legs Syndrom werden in einem Forschungsprojekt ebenfalls eingeschlossen. Weiterhin wird mittels bildgebender Verfahren ebenso auf neuraler Ebene die Beteiligung der Basalganglien an ToM Prozessen untersucht.

In verschiedenen Projekten werden unterschiedliche Fragestellungen zur Theory of Mind untersucht.


Veränderung der Theory of Mind im Rahmen der Parkinson Erkrankung

Defizite der ToM-Fähigkeiten wurden bereits bei verschiedenen neurologischen sowie psychiatrischen Erkrankungen beschrieben. In diesem Projekt untersuchen wir Veränderungen der ToM Fähigkeiten bei Patienten mit Parkinson Erkrankung. Hierbei werden Patienten in unterschiedlichen Stadien der Erkrankung miteinbezogen, auch vor dem Hintergrund der Fragestellung, ob sich die ToM Fähigkeiten im Verlauf verändern. Ebenso werden affektive und kognitive ToM-Teilleistungen differenziert erfasst. Neben Patienten, die an Parkinson erkrankt sind, werden in einem Teilprojekt auch Patienten mit REM-Schlaf- Verhaltensstörung (RBD) eingeschlossen. Da eine idiopathische RBD in der prämotorischen Phase der PD Erkrankung auftreten kann bzw. einen Risikomarker für das spätere Auftreten der PD Erkrankung darstellt, untersucht diese Teilstudie, ob sich in den ToM-Leistungen von RBD-Patienten bereits Defizite zeigen.


Theory of Mind bei Patienten mit Restless Legs Syndrom


Patienten mit Restless Legs Syndrom (RLS) (Prävalenz ~5,5%) leiden unter Bewegungsdrang der Beine, der meist mit unangenehmen Missempfindungen verbunden ist. Die Symptome treten verstärkt während Phasen der Inaktivität auf (z.B. abends bzw. nachts). Bewegung lindert die Symptome. Die Patienten leiden oft unter Ein- oder Durchschlafstörungen, welche zu einer erhöhten Tagesschläfrigkeit führen. Untersuchungen kognitiver Funktionen bei RLS-Patienten zeigen Beeinträchtigungen vor allem in PFC-abhängigen Funktionen (Pearson et al., 2006), hierbei wird die Rolle des Schlafmangels diskutiert (Gamaldo et al., 2007). Viele Studien sowie das Ansprechen der Patienten auf dopaminerge Therapie weisen auf eine Pathologie des Dopaminstoffwechsels hin. Auf physiologischer Ebene werden Dysfunktionen des dopaminergen Systems als Ursache von ToM-Defiziten diskutiert (Abu-Akel, 2003). Da bei RLS eine Dysfunktion des Dopaminstoffwechsels vermutet wird und bei einigen Erkrankungen wie Schizophrenie oder Morbus Parkinson, bei denen u.a. dopaminerge Dysfunktionen bekannt sind, ToM-Defizite auftreten, untersuchen wir in einer aktuellen Studie, ob sich bei Patienten mit RLS auch ToM Dysfunktionen zeigen bzw. ob dies mit der dopaminergen Medikation in Zusammenhang steht.


Neuronale Korrelate affektiver und kognitiver Theory of Mind


Affektive ToM-Leistungen, d.h. das emotionale Nachempfinden der Emotionen des Gegenübers und kognitive ToM-Leistungen, die das eher rationale Erschließen des mentalen Zustands lassen sich auch auf neuraler Ebene differenzieren. ToM-Prozesse werden vor allem mit Strukturen des präfrontalen Kortex assoziiert. Darüber hinaus wird eine Beteiligung frontostriataler Schaltkreise diskutiert. Differenzierter werden affektive ToM-Leistungen mit dem frontostriatal-limbischen und kognitive ToM-Leistungen eher mit dem dorsolateral-präfrontalen-striatalen Schaltkreis assoziiert. In einer aktuellen fMRT Studie untersuchen wir ob sich affektive und kognitive ToM Prozesse auch auf neuraler Ebene differenzieren lassen bzw. ob sich im Rahmen neurologischer Erkrankungen veränderte Aktivierungsmuster zeigen. Ebenso ist die mögliche Beteiligung subkortikaler Strukturen, i.B. der Basalganglien Gegenstand dieser Studie.


Veränderung der Theory of Mind unter Stress


Neben Persönlichkeitseigenschaften, die mit der Empathiefähigkeit zusammenhängen, werden zunehmend auch situative Aspekte hinsichtlich der Modulation der ToM-Leistungen untersucht. In diesem Teilprojekt soll untersucht werden, ob die ToM-Leistung durch Stresserleben negativ beeinflusst wird. Zum Einsatz kommen drei unterschiedliche Stress-induktions-Paradigmen (Zeitdruck, Leistungsdruck und Schmerz) sowie verschiedene ToM-Paradigmen. Die verwendeten Stressinduktions-Paradigmen sollen zunächst hin¬sicht¬lich ihrer Validität und Praktikabilität untersucht werden, so dass diese in einem weiteren Schritt in einer Untersuchung der Hirnaktivität mittels funktioneller Magnet-Resonanz-Tomographie ein¬ge-setzt werden können.