Doktorarbeiten

In der Arbeitsgruppe beschäftigen wir uns mit der krankheitsorientierten Forschung und der Versorgungsforschung neurodegenerativer Erkrankungen wie der Alzheimer-Demenz und dem Morbus Parkinson.



Bei der krankheitsorientierten Forschung interessieren wir uns für die pathophysiologischen Zusammenhänge, die zu einer Deposition von aggregierten Proteinen bei diesen Erkrankungen führen. Dabei handelt es sich um Arbeiten im Labor. Für diese aufwendigen Arbeiten setzen wir für Studenten im fortgeschrittenen Semester meist ein Freisemester voraus.



Bei der Versorgungsforschung interessieren wir uns für die Versorgung, Kosten und Lebensqualität von neurologischen Erkrankungen. Hierbei handelt es sich meist um klinische Studien bei Patienten, die strukturiert untersucht und mit unterschiedlichen Fragestellungen befragt werden.



Weitere Forschungsschwerpunkte umfassen die neuropsychologische Forschung und die Verhaltensforschung.



Falls Sie die Themengebiete interessieren, gehen Sie bitte auf die Webpage von Pubmed (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez?otool=hebis). Sie erhalten einen Überblick unserer Interessensgebiete anhand der von uns publizierten Literatur.



Falls Sie die Arbeit aus unserer Arbeitsgruppe interessieren sollte, sollten wir einen gemeinsamen Termin vereinbaren.



Wir setzen ein hohes Engagement der Doktoranden voraus, bieten aber auch eine gute Betreuung sowie eine exzellente Möglichkeit, an wissenschaftlichen Fragestellungen zu arbeiten. Unser Ziel ist es, dass der Medizinstudent bzw. der Biologiestudent in der Lage ist, selbständig und selbstverantwortlich wissenschaftliche Forschung betreiben zu können.



Mit freundlichen Grüßen R. Dodel

Diplomarbeiten und medizinische Doktorarbeiten zu vergeben

Thema: Einfluss der Glykosylierung auf die Funktion natürlich vorkommender -Synuclein-Autoantikörper


Die Parkinsonsche Erkrankung (PD) gehört zu den häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen und ist durch einen fortschreitenden Verlust von dopaminergenen (DA) Neuronen in der substantia nigra pars compacta (SNpc) charakterisiert (Feamley und Lees 1991). Das pathologische Hauptmerkmal von PD ist der Nachweis intrazytoplasmatischer eosinophiler α-Synuclein-Einschlusskörperchen (Lewy-Körperchen) in überlebenden nigralen Neuronen sowie aktivierter Mikroglia.
Es gibt heute noch keine ursächliche Behandlung des Parkinson-Syndroms. Immunisierung stellt einen neuen Therapieansatz dar, der in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Die Arbeit von Masliah und Kollegen (2005) hat gezeigt, dass durch aktive Immunisierung die neuronale Akkumulierung von
α-Synuclein-Aggregaten in den neuronalen Zellkörpern und Synapsen im Tiermodell verhindert werden konnte.
In der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Dodel wird ein passiver Immunisierungs-Ansatz verfolgt, bei dem natürlich vorkommende α-Synuclein-Autoantikörper (nAks-α-Syn) aus humanem Serum isoliert und charakterisiert werden, um sie gezielt als Therapeutika einsetzen zu können.

Eine wichtige posttranslationale Veränderung von humanen IgG-Antikörpern ist die Glykosylierung der Fc-Domäne. Es ist bekannt, dass Unterschiede in der Glykosylierung der Fc-Domäne die Fc-vermittelten Effektor-Funktionen beeinflussen können. Die Deglykosylierung von Autoantikörpern vor der in vivo-Verabreichung könnte eine mikroglia-vermittelte neuroinflammatorische Antwort bei der passiven Immunisierung reduzieren und somit das Auftreten von unerwünschten Nebenwirkungen vermindern.

Projekt 1: Glykoanalytik von natürlich vorkommenden α-Synuclein-Autoantikörpern

Ziel dieser Arbeit ist es, die Glykostruktur(en) von natürlich vorkommenden α-Synuclein-Autoantikörpern zu charakterisieren. Hierzu sollen im Rahmen der Arbeit zunächst über eine etablierte Affinitätschromatographie humane α-Synuclein-Autoantikörper aus Serum oder IVIG isoliert und anschließend enzymatisch deglykosyliert werden. Die gereinigten Glykostrukturen sollen dann mittels verschiedener analytischer Methoden wie HPLC, HPLC-MSn und MALDI-TOF/TOF aufgeklärt werden. Die Arbeit ist thematisch in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dodel (Neurologie, FB Medizin) angesiedelt. Die analytische Arbeit wird im Labor von Dr. Uwe Linne (Massenspektrometrie, FB Chemie) stattfinden.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an Studenten der Chemie mit analytischem oder biochemischem Schwerpunkt, an Studenten der Biologie oder Humanbiologie mit Interesse für Affinitätschromatographie, Proteinbiochemie und moderne (bio)analytische Methoden.

Projekt 2: In vitro Charakterisierung von deglykosylierten α-Synuclein-Autoantikörpern

Ziel dieser Arbeit ist es natürlich vorkommenden α-Synuclein-Autoantikörpern zu deglykosylieren und deren Wirkung auf die Fibrillenbildung und Toxizität von α-Synuclein bei SH-SY5Y-Zellen, BV-2 Zellen, primären kortikalen Neuronen und primären Mikroglia-Zellen zu untersuchen. Hierzu sollen im Rahmen der Arbeit zunächst über eine etablierte Affinitätschromatographie humane α-Synuclein-Autoantikörper aus Serum oder IVIG isoliert und anschließend enzymatisch deglykosyliert werden. Die Funktionalität der deglykosylierten, im Vergleich zu natürlich glykosylierten Autoantikörpern, werden mittels Toxizitäts- und Fibrillations-Assays untersucht.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an Studenten der Biologie oder Humanbiologie oder Biochemie mit Interesse an Affinitätschromatographie, Immunologie, Zellbiologie und Proteinbiochemie.

Projekt 3: In vivo Charakterisierung von deglykosylierten α-Synuclein-Autoantikörpern

Ziel dieser Arbeit ist es, natürlich vorkommende α-Synuclein-Autoantikörper zu deglykosylieren und die Funktionalität der resultierenden Moleküle in vivo zu untersuchen. Dazu sollen transgene Mäuse mit C57BL/6 Hintergrund die humanes A30P α-Synuclein unter der Kontrolle des ZNS Neuronen-spezifischen Thy1 Promotors exprimieren, untersucht werden. In diesen Tieren kommt es nach 12 Monaten zu verhaltensbiologischen Auffälligkeiten in standardisierten motorischen Verhaltenstests (RotaRod, Openfield). Neuropathologisch zeigen sich in den Gehirnen charakteristische Veränderungen im Sinne einer Alters- und Gendosis-abhängigen Ablagerung von Lewy-Körperchen. Im Rahmen dieser Arbeit sollen die Tiere mit natürlich glykosylierten und deglykosylierten α-Synuclein-Autoantikörpern behandelt werden. Der Plasma α-Synuclein-Titer wird mittels Sandwich ELISA bestimmt. RotaRod und OpenField Verhaltenstest werden mit den behandelten Tieren durchgeführt. Anschließend werden neuropathologische Untersuchungen mittels Immun-histochemie durchgeführt. Die Verhaltensversuche werden in Zusammenarbeit mit Dr. Stephan Röskam im Tierlabor am Biomedizinischen Forschungszentrum durchgeführt.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an Studenten der Biologie oder Humanbiologie mit Interesse an Verhaltensbiologie, Immunhistochemie und Immunologie. Zur Durchführung der Arbeit ist die Bereitschaft zum Umgang mit Versuchstieren Voraussetzung.

Dr. Daniela Besong Agbo

Philipps-Universität Marburg
Fachbereich Medizin
Med. Zentrum für Nervenheilkunde
Haus Bethanien
Rudolf-Bultmann-Str. 8
E-Mail: daniela.besong@staff.uni-marburg.de
Tel.: 06421 58 66655